Eine Reise in die Vergangenheit. Wo gibt es etwas Sehenswertes in Swijaschsk

5 juni 2018
Die vom russischen Hauptfluss Wolga umgebene Inselstadt war immer schon im Brennpunkt des Interessens von Historiker und Reisenden. Die gut erhaltenen Kirchen und Klöster sind Zeugen einer 500-jährigen Geschichte und die zentralen Plätze der Stadt sind ein echtes Panorama mittelalterlichen Lebens. Wir schlagen Ihnen vor, Swijaschsk zu besuchen und berichten Ihnen, was man auf der Insel, auf der Geschichte wirklich erlebbar ist, alles machen kann

Autor — Lola Malova

75.000
Menschen

waren an der Errichtung der Swijaschsker Festung beteiligt

Die Stadtfestung aus der Zeit Ivan des Schrecklichen

Swijaschsk befindet sich am Ort, wo Swijaga und Schuka in die große und mächtige Wolga münden. Auf der kleinen, 58 km von Kasan entfernter Insel leben gibt es weder Menschenmengen noch Verkehrsgedränge (hier leben nur 250 Einwohner) . Rundum herrscht die stille Schönheit tatarischer Weiten, die nur hie und da durch Vogelgezwitscher, das Sausen des Windes und Wellengeplätscher unterbrochen wird. Das hübsche urtümliche Städtchen ist eine Schatzkammer der Geschichte. Swijaschsk, die von Ivan dem Schrecklichen als Festung zur Unterstützung der Angriffe auf Kasan errichtet wurde, überstand vielerlei Zeiten. Manchmal war sie eine ruhige Klosterstadt, dann wieder wurde sie ausgeraubt und als Stadt halb zerstört. Im Jahr 1956 wurde die Stadt Swijaschsk als historisches Kulturdenkmal Russlands anerkannt. Heute werden die Tempel und Holzbauten der Inselstadt sorgsam restauriert. Deshalb sehen die meisten Gebäude aus wie aus dem vorigen Jahrhundert.

Die friedliche und abgelegene Stadt Swijaschsk lebt an Festtagen und Festivals richtig auf. Hier finden oft Volksfeste wie im Mittelalter und traditionelle russische Teerunden, Theaterlabors und Musikfestivals statt. Dabei kann man Handwerker und folkloristische Personen in altrussischer Kleidung sehen.

Anreisemöglichkeiten

Swijaschsk wird viel von Touristen und Reisende besucht. Es ist deshalb kein Problem, aus Kasan hierher zu kommen. Vom Kasaner Flusshafen bis zur Inselstadt verkehren Wasserfahrzeuge. Die Fahrt dauert etwa zwei Stunden. Fahrkarten kann man an der Hafenkasse beziehen. Mit der S-Bahn ist es etwas komplizierter und zeitaufwendiger. Züge fahren ab Hauptbahnhof und kommen an der Station „Swijaschsk“ an. Von dort sind es bis zur Inselstadt noch 14 km. Eine Taxifahrt aus Kasan kostet ungefähr 750 Rubel in einer Richtung und ist die schnellste Variante: Die Autofahrt von Kasan bis Swijaschsk dauert eine Stunde.

Übernachtungsmöglichkeiten

Falls Sie planen, in Swijaschsk mehr als ein paar Stunden zu bleiben, sollten Sie sich Gedanken über die Übernachtungsmöglichkeiten machen. Im Hotel „Swijaga“ gibt es 10 Zimmer mit Satellitenfernsehen, Kühlschrank, Etagendusche und Toilette. Ein Zimmer in diesem Hotel kostet 1000–1500 Rubel pro Nacht. Eine Übernachtung im „Haus des Kaufmanns Kamenew“ kostet 3000–4000 Rubel pro Nacht. In den Zimmern gibt es Badezimmer, Fernseher und Kühlschrank. Ein Parkplatz steht im Hof zur Verfügung. Die kostengünstigste Variante ist das Mini-Hotel „Pilgerhaus“ mit Mehrbettzimmern. Es gibt insgesamt 54 Plätze. Ein Bett im Economy-Zimmer kostet 300 Rubel und im Gästezimmer für 10 Personen 1000 Rubel. Im Mini-Hotel stehen WLAN und Sanitärräume zur Verfügung. Auf dem Gelände befindet sich ein Café. Wenn Sie sich für die „Gastherberge“ in der Uspenskaja-Straße entscheiden, werden Sie im Zentrum der Ereignisse der Inselstadt sein. Das Zimmer kostet hier 3000–4000 Rubel.

Sehenswertes und Spaziergänge

Ein Spaziergang durch Swijaschsk beginnt mit dem Kauf einer Eintrittskarte (510 Rubel für Erwachsene und 330 Rubel für Studenten, Rentner und Schüler). Mit dieser Eintrittskarte können Sie sämtliche Ausstellungen der Museen in Swijaschsk besichtigen. Nach den 120 Treppenstufen zur Insel, eröffnet sich Ihnen ein faszinierender Blick auf den Fluss Swijaga und die Umgebung. Danach können Sie gemächlich durch die Inselstadt spazieren.

Die erste Besichtigung wird wahrscheinlich der schneeweiße Komplex des Gottesmutter-Klosters sein, der in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde. Hinter den schweren Holztoren befinden sich das Arhimandritsgebäude, ein Klosterschulgebäude, die Kirche des Heiligen Hermann, die St.-Nikolaus-Kirche und die Maria-Entschlafens-Kathedrale. Fast alle sind leider für Besucher geschlossen. Einige davon, z. B. die Maria-Entschlafens-Kathedrale, werden renoviert. In jedem Falle ist der Klosterkomplex eine historische und architektonische Sehenswürdigkeit die man gerne fotographieren möchte.

Auf der anderen Seite des Komplexes befindet sich der „Pferdehof“, wo man Pferde reiten oder in einer Kutsche fahren kann, wo handgefertigte Souvenirs verkauft werden und einheimischen Handwerker in den Werkstätten arbeiten. Hier befindet sich auch das Restaurant „Traktir“, das mit Chochloma-Malerei im altrussischen Stil gestaltet ist. Auf der Speisekarte finden Sie Gerichte russischer, europäischer und tatarischer Küche. Aber wir empfehlen Ihnen die „Swijaschsker Ucha“. Der Fisch für die Fischsuppe wird in der Nähe der Insel gefangenen.

Im Swijaschsker Museum für Stadtgeschichte werden seltene archäologische Fundstücke, wie Grabstein-Fragmente und Haushaltsgegenstände der Inselbewohner, Baumuster und rekonstruierte Innenausstattung der Zimmer der einheimischen Staatsbeamten und Geistlichen aufbewahrt. Die Besucher haben die Möglichkeit, sich auf eine Schulbank aus dem XIX. Jahrhundert zu setzen, die Wachsfigur von Ivan der Schreckliche zu bewundern und sich mit originalen Dokumenten, Büchern und Ikonen der XIX. - XX. Jahrhunderts bekannt zu machen. Im Museumsgebäude befand sich in den 1920–30 Jahren ein Kinderheim, von 1941 bis 1948 die Haftanstalt des Volkskommissariats für innere Angelegenheiten (NKWD) und in den Jahren 1949–2009 eine Internatsschule.

In der Inselstadt gibt es nicht nur Kathedralen, sondern auch Ruinen. Viele der alten Tempel, wie z.B. die Christi-Geburt-Kathedrale, die Maria-Verkündigungs-Kirche, die Sophienkirche und die St.-Nikolaus-Kirche, wurden im vorigen Jahrhundert zerstört. Bei der Rekonstruktion der Stadt wurden die Ruinen bewusst nicht wiederaufgebaut, damit Besucher die Geschichte der Stadt möglichst nahe erleben können.

In der Nähe des Museums befindet sich auch noch ein orthodoxes Heiligtum , der Komplex des Johannes-der-Täufer-Klosters, mit der berühmten roten Kathedrale „Freude aller Trauernden“. Der 32 Meter hohe Tempel erinnert an einen mehrstöckigen Turm mit bemalter Halle im Innenraum. Um die Pracht der Kuppeldecke zu bewundern, müssen Sie den Kopf ganz in den Nacken legen. Die Wände sind vom Boden bis zur Decke mit Heiligenbildern geschmückt. Innerhalb der letzten 100 Jahre hat sich die Innenausstattung der Kathedrale nicht geändert und die Akustik ist nach wie vor ausgezeichnet. Heute finden in der Kathedrale Gottesdienste statt. Hier befinden sich auch Gebeine von Heiligen, Ikonen und andere Heiligtümer. In der Nähe der Kathedrale befinden sich die Dreifaltigkeitskirche, die ein Beispiel für mittelalterliche Holzarchitektur ist, die St.-Sergey-Kirche aus Stein und das Mönchshaus.

Um die Atmosphäre des Mittelalters zu erleben, besuchen Sie den „Leniwyj Torschok“ in der Nähe des Rozhdestwenski-Platzes. Hier befindet sich ein Komplex historischer Rekonstruktionen, wo Ritter in Rüstung an Schwertkämpfen teilnehmen. Hier können Sie auch mit Pfeil und Bogen schießen lernen, an Schaumstoffschwertkämpfen teilnehmen oder einen altertümlichen Speer werfen. In den Werkstätten zeigen die Swijaschsker Töpfer, Beutler und Schmiede ihre Erzeugnisse und erlauben den Besuchern sogar, einige Werkstücke selbst zu machen. Unmittelbar hinter dem Eingang zum Platz befinden sich Läden mit Magneten, Schmucksachen, Basteleien aus Holz, Geschirr und traditionellen tatarischen Speisen, wie Pferdefleisch und Tschak-Tschak. Hier werden am offenen Holzfeuer auch Pfannkuchen, Brötchen und Fleisch gebacken und der berühmte Swijaschsker Honigwein eingeschenkt.

Wo kann man zu Mittag essen

Im Café „Bujan“ am Rozhdestwenski-Platz werden einfache Hausgerichte von Ragout bis zu Pfannkuchen mit Quark zubereitet. Wir empfehlen Ihnen, eine Swijaschsker Fischsuppe (russ. Ucha) und Pfannkuchen mit gezuckerter Kondensmilch zu probieren. Ein vollwertiges Mittagessen kostet hier etwa 350 Rubel. In der St. Sergey-Kirche, auf dem Gelände des Johannes-der-Täufer-Klosters, befindet sich das „Klosterrefektorium“ mit seiner asketischen Innenausstattung, langen Tischen und Holzbänken. In der Speisekarte finden Sie keine Fleischgerichte. Dafür werden russische Fischgerichte angeboten. Ein mittlerer Preis beträgt ca. 300 Rubel. Die Innenausstattung des „Fischerhofs“ an der Uferpromenade des Flusses Swijaga erinnert an ein Fischerhaus , von dessen Sommerterrasse sich ein Panoramablick auf den Fluss eröffnet. Hier werden traditionelle russische Gerichte nach Rezepten aus einem Kochbuch aus dem Jahre 1902 zubereitet. Der durchschnittliche Preis für ein Mittagessen beträgt 350 Rubel.

Heute zieht Swijaschsk Besucher aus der ganzen Welt an. Diese Stadt ist Zeuge von Ereignissen einer fünf Jahrhunderte langen Geschichte. Trotz der einstigen Gefahr, in Vergessenheit zu geraten, lebt und entwickelt sich die Insel weiter. Hier werden neue Häuser gebaut, Festivals organisiert, Cafés und Souvenirläden eröffnet. Die Einheimischen bewahren sorgsam die einzigartige Atmosphäre der Inselstadt, die in eine Art Zeitmaschine verwandelt hat.

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